B2B für Druckereien und ihre Kunden


Artikel im Druckspiegel Nr. 3.2006 im März 2006


Teil 3: E-Business bei einem Anwender. Die Düsseldorfer Druckerei Köller + Nowak bietet ihren Kunden Online-Dienste zur Optimierung der Drucksachenbestellung und Druckfreigabe.
Was E-Business ist und welche Vorteile es bringen kann – sowohl der Druckerei wie auch ihren Kunden –, dazu äußerten sich in den Teilen 1 (»Druckspiegel« 1/06, S. 14 f.) und 2 (»Druckspiegel« 2/06, S. 20 f.) das IRD, der Systemanbieter Hiflex und ein Anwender, die Druckerei Köller + Nowak, die ein E-Business-Modul zusammen mit der Branchensoftware Hiflex Print erfolgreich einsetzt. In diesem dritten Teil zeigen wir genauer, wie der Düsseldorfer E-Business-Pionier Köller + Nowak (K+N), der neuerdings in seinem Logo für das »ebusiness@print« wirbt, mit seinen E-Biz-Diensten umgeht.

Integrierte Materialwirtschaft
Ingo Nowak und seine Mitarbeiter halten Ordnung in ihrem Drucksachenlager
Die vollstufige Bogenoffsetdruckerei erzielt mit zurzeit zehn Mitarbeitern einen Umsatz von jährlich etwa 1,8 Mio. Euro. Gefertigt werden unterschiedlichste Aufträge: von Visitenkarten bis zu umfangreichen Katalogen, vom Einzelauftrag bis hin zu komplexen Projektaufträgen mit Personalisierung und Distribution. Das Leistungsspektrum reicht dabei von der Kreation bis hin zur Hand-Konfektionierung. Ihre Vorstufe verfügt über einen Prinergy-PDF-Workflow mit CTP-Belichter Lotem 400 Quantum und ist mit dem Branchensoftwarepaket Hiflex Print über JDF und JMF vernetzt. Die Drucksachen werden mit frequenzmodulierter Rasterung erstellt. Im Drucksaal produzieren eine Heidelberger SM 52-5 und eine SM 74-4, in der Weiterverarbeitung stehen Schneidmaschinen, eine Falzmaschine und ein Sammelhefter zur Verfügung; in diese Bereiche überträgt die Hiflex-Branchensoftware aber keine Produktionsdaten. In allen drei Produktionsabteilungen – Vorstufe, Druck und Verarbeitung – praktizieren die Mitarbeiter eine manuelle Betriebsdatenerfassung an Hiflex-BDE-Terminals. Köller + Nowak, in persona von Karl-Heinz Köller und Ingo Nowak, verstehen sich als Vorreiter bei Online- Dienstleistungen rund um den Druck. Im Zusammenhang mit der internen Vernetzung der Druckerei über das Hiflex-MIS im Jahr 2001 wurde das ins System integrierte E-Business-Modul gleich mit in Betrieb genommen. Heute greifen 95% der Kunden auf eine oder mehrere E-Biz-Leistungen zurück. Dazu zählen der Abruf von Fertig- und Halbfertigwaren, die Personalisierung von Drucksachen, die Datenübertragung und Zuweisung und die Abwicklung des Druckfreigabe-Prozesses. Das E-Biz-System von K+N schließt ein umfangreiches Materiallager zur Bestellung von Fertigund Halbfertigwaren mit ein, das ebenso wie die Verbrauchsmaterialien der Druckerei von der Hiflex-Materialwirtschaft unterstützt wird.

E-Procurement
Das E-Business-System bei Köller + Nowak kombiniert die Hiflex-Auftragsverwaltung samt BDE mit der Materialwirtschaft und der Creo-Vorstufe
Ihren Online-Diensten merkt man an, dass die Düsseldorfer Druckerei ihren Wahlspruch, »mit viel Engagement auf individuelle Kundenwünsche einzugehen undsomit unseren Kunden einen wichtigen Mehrwert zu schaffen«, ernst meint. Allen E-Biz-Services gemein ist, dass sie übers Internet abgewickelt werden (der Kunde braucht für seinen Dialog mit K+N nur einen Webbrowser und eine Kennung fürs Log-In) und dass sie zur Kommunikation einen regen E-Mail-Verkehr nutzen: in beiden Richtungen zwischen Kunde und Druckerei, und innerhalb der Druckerei zwischen allen beteiligten Abteilungen. Das ist selbst in einem kleinen Haus wie K+N oft zweckmäßiger als die traditionellen Fußwege und Telefonate. Aber wenn der K+N-Geschäftsführer Ingo Nowak doch zum Telefonhörer greift, wird sein Anruf – für den Benutzer unsichtbar – nicht über die klassische Telefonleitung übertragen, sondern geht von seinem ganz normalen Telefon direkt in das Voice-over-IP-Netz eines Kölner Providers: denn Nowak telefoniert über das Internet-Protokoll (IP) und spart damit Geld, getreu dem Motto »Lassen Sie intelligente Systeme für sich arbeiten«, das auf der K+N-Website zum E-Business motivieren soll. Fünf verschiedene E-Biz-Dienste bietet K+N an: E-Procurement, Corporate Publishing, Dateien-Upload, Online-Druckfreigabe und ein elektronisches Angebotsarchiv. Am aufwändigsten ist der erste, denn er setzt die Lagerhaltung und perfekte Verwaltung vorgedruckter oder fertiger Kundendrucksachen voraus. Im E-Procurement- Portal »haben wir ein ganzheitliches Produktions-, Lager- und Logistikkonzept umgesetzt, das die Verknüpfung von Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik realisiert «. K+N fordert die Kundschaft auf: »Nutzen Sie die von uns geschaffene Lösung für die Automatisierung, Zentralisierung und Rationalisierung der Beschaffung von Druckprodukten! « An diesem Service nehmen vier große und zehn kleinere Kunden teil, zum Beispiel eine Softwarefirma, ein größeres Hotel, ein Industriekunde mit vielem Marketingmaterial und eine Dienstleistungsgruppe für Security und Gebäude- Management. Ingo Nowak lobt das E-Business- Modul von Hiflex: »Bei großen Kunden existieren bürokratische Prozesse, zum Beispiel zwischen den Niederlassungen mit einem zentralen Einkauf, die sich mit dem Hiflex-System individuell anpassen lassen.«

CPU, Upload und Druckfreigabe
»Übertragen Sie Ihren Handelspartnern und Filialunternehmen die Erstellung ihrer Werbemittel. Unsere Lösung dafür heißt CPU, die Corporate-Publishing-Unit – ein Paket von Software-Werkzeugen zur Editierung vordefinierter, flexibler Vorlagen im Webbrowser unter Einhaltung Ihres Corporate- Designs.« Zum Anwendungsspektrum gehören personalisierte Geschäftsdrucksachen und individualisierte Vertriebsund Marketing-Materialien wie Anzeigen, Produktinformationen, Werbebroschüren, Flyer, Beilagen, Gutscheine und Coupons »sowie PoS-Materialien für das Mikromarketing Ihrer Handelspartner – Marketing on Demand«. Genutzt wird der CPU-Service von zehn Kunden, bisher ausschließlich zur Erstellung von Corporate-Visitenkarten. Fast eine Selbstverständlichkeit für den Online- Datenverkehr zwischen Druckerei und Kunden ist das Upload-Tool als Bestandteil von Hiflex Print. Der Kunde lädt seine Produktionsdateien komprimiert zum Druckereiserver hoch, wo sie manuell einem Auftrag zugeordnet werden. Geplant, aber noch nicht realisiert ist ihre automatische Überführung in einen Hotfolder für Prinergy, wonach ein obligatorischer Preflight (mit der in Prinergy integrierten Pitstop-Engine von Enfocus) samt Refining folgt. Von allen E-Biz-Services am meisten gefragt ist die Online-Druckfreigabe. Geschäftsführer Nowak: »Von den 95% unserer Kunden, die unsere E-Biz-Angebote nutzen, nehmen 80% an der Online-Freigabe teil. Viele sind begeistert, wie viel Aufwand und Zeit sie dadurch sparen.« Denn sie erhalten von K+N keine Blaupause des Druckbogens mehr, sondern ein PDF mit ausgeschossenen Seiten, das sie mit dem Adobe-Reader oder einer Vollversion Acrobat Professional prüfen können, im letzteren Fall auch der einzelnen Farbauszüge.Nowak: »Da kommt es durchaus vor, dass die Druckfreigabe des Kunden schon in unserem System eintrifft, bevor wir den Bogen mit unserem Proofer ausgedruckt haben.« Der Post- oder Kurierweg ist bei solchen Kunden passé.

Angebotsarchiv mit Hemmschwelle
Über das Angebotsarchiv erfährt der Kunde jederzeit alle wichtigen Details über seinen aktuellen Auftrag oder über zurückliegende Arbeiten, wie: technische Angaben, wann wurde die Rechnung ausgestellt, welcher Betrag, wann wurde ausgeliefert? ... bis hin zum Paket-Tracking des Auslieferers DPD (wer hat den Empfang unterschrieben?). Noch nicht eingeführt hat K+N das Tracking über den internen Produktionsfortschritt, obwohl das Hiflex-System dem Kunden den Status seiner Drucksache in Druckvorstufe, Druck, Endfertigung und Versand farblich signalisieren könnte, z. B. grün für »fertig in der Druckvorstufe«. Aber in dieser Hinsicht muss wohl jeder Drucker erst eine Hemmschwelle überschreiten, denn wer will sich schon von seinen Kunden überwachen lassen? Kein Wunder, dass, wie der Hiflex- Geschäftsführer Stefan Reichhart erklärt, von den 20 bisher installierten E-Business-Modulen in keiner einzigen Druckerei das Produktions-Tracking in Betrieb ist.



1. Der Kunde bestellt eine in der Druckerei gelagerte Drucksache ...
2. ... und bekommt sofort eine Online-Meldung über die Verfügbarkeit




E-Business und JDF
Der Branchensoftware-Hersteller Hiflex hat Schlagzeilen rund um das Thema JDF gemacht (zuletzt mit den Cip-4-Awards für Bauer-Druck, Wien, und Kraft-Druck, Ettlingen; der »Druckspiegel« hat darüber berichtet). Da erstaunt die Aussage von Stefan Reichhart: »E-Business boomt – wir machen mittlerweile mehr E-Business-Projekte als JDF-Installationen.« Dabei sei jedes Kundenprojekt eines Druckers individuell auf den Drucksacheneinkäufer zugeschnitten, »weil Renault eine andere Lösung braucht als beispielsweise Sharp«. Ingo Nowak sieht den Anspruch des K+N Geschäftsmodells darin, »intelligente Lösungen zu schaffen, die den Kunden bei der Automatisierung und Rationalisierung der Beschaffung von Druckprodukten helfen. Die Voraussetzung dafür ist die genaue Kenntnis der Kundenprozesse und die Beherrschung und Optimierung der Lieferkette unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten.« Mit ausschlaggebend für den Erfolg seiner E-Biz-Services und der Druckereivernetzung überhaupt sind die konsequente und verlässliche elektronische Betriebsdatenerfassung durch alle Produktionsmitarbeiter (werden beispielsweise 1000 angeforderte Briefbogen dem Lager entnommen, muss das unbedingt eingegeben werden, sonst stimmt die Restmenge nicht mehr, die dem Kunden an seinem PC gemeldet wird) und die Beschränkung der JDF-Vernetzung aufs Nötige, nämlich auf MIS und Vorstufe. Die Heidelberger- Druckmaschinen sind nicht JDF-fähig und müssten erst teuer aufgerüstet werden; ein Manko ist eigentlich nur die fehlende Cip-3-Datenübergabe von Prinergy zur Farbzonenregelung. Ein Tipp: Wer das E-Business à la K+N ausprobieren möchte, kann auf der Website www.koellernowak. de sowohl das E-Procurement als auch das Corporate Publishing mit Visitenkarten testen.

Dipl.-Ing. Erich Fritz